Mi

12

Dez

2012

Warum Jesuitenprovinzial Stefan Kiechle dem ehemaligen AKO-Rektor Pater Schneider nicht sein Vertrauen aussprechen sollte

 

Da ich im Blog "Unheilige Macht - der Jesuitenorden und die Missbrauchskrise" von einem Pater gefragt wurde, warum Betroffene, die sich im Eckigen Tisch Aloisiuskolleg organisiert haben, kein Verständnis dafür haben, dass Pater Schneider als Seelsorger in Göttingen eingesetzt wird und vom Jesuitenprovinzial Stefan Kiechle dessen volles Vertrauen ausgeprochen bekommt, habe ich hier für alle Interessierten ein kleines Dossier eingestellt, dass Heiko S. und ich zusammen erstellt haben. Für hilfreiche Ergänzungen und unter Umständen gebotene Richtigstellungen wäre ich dankbar.

 

Solange missbräuchliche Taten und unterlassenes Eingreifen im Orden bagatellisiert werden und für die Opfer keine Konsequenzen für Täter und Mitwisser ersichtlich sind, kann von ernsthafter Aufklärung keine Rede sein.

 

 

1. Pater Schneiders Funktionen und Verantwortlichkeiten am Aloisiuskolleg

1968 – 1973 Studienbegleitende pädagogische Hilfskraft am Aloisiuskolleg

1974 – 1977 Hauptamtlicher Erzieher und Religionslehrer am Aloisiuskolleg

1980 Promotion

1984 – 2006 Internatsleiter

2007 – 2010 Rektor

 

Pater Stüper war von 1985 bis 1992 Schuldirektor und bis 2006 Erzieher und Mitarbeiter am Internat des AKO. In den Jahren 1993 bis 2006 war Stüper formell ein Untergebener seines Vorgesetzten Pater Schneider, in Sachen Internatsleitung formell ab 1984.

 

Über die hierarchische Beziehung hinaus, unterhielten Pater Stüper und Pater Schneider eine enge persönliche Beziehung. Hierfür sollen zwei Zitate von Dritten angeführt werden: Jesuiten-Provinzial Gerhartz äußerte bereits 1974: „Seine (Stüpers) Schwächen werden zum Teil ausgeglichen durch die Anwesenheit des Erziehers Schneider, mit dem sich P. [„Georg“] gut versteht und viel bespricht, der einen Großteil des Internats faktisch leitet und überall angesehen ist.“ (S.189).

 

Theo Schneider war sehr bald von Pater Stüper als Seelenverwandter entdeckt und als Freund gewonnen worden. Als Trio bündelten wir seither unsere Kräfte, um effektiv zusammenzuwirken.Diese erfolgreiche Teamarbeit mit Freunden bleibt für mich das Schönste, das ich in meinem ganzen Berufsleben erfahren durfte. (Aus: Dr. Christian Eschweiter, (Anm. ehem. Lehrer und Leiter des „Ako-Pro-Seminar e.V.). in „In memoriam Pater Ludger Stüper SJ“, S. 4, bei http://www.christian-eschweiler.com)

 

2. Pater Stüper als Täter am AKO der Jahre 1968 bis 2007

Frau Zinsmeister liegen für ihren Abschlussbericht Angaben von 36 Personen vor, die Pater Stüper („Georg“) betreffen. Da sich im Zinsmeisterbericht keine Jahreszahlen der Taten, sondern nur grobe Angaben zum Schuleintritt wiederfinden, lassen sich die Berichte der

Betroffenen zeitlich nicht eindeutig zuordnen. Die Berichte umfassen einen Zeitraum von 1968 bis 2007/2008. Frau Zinsmeister formuliert: „Wir müssen davon ausgehen, dass es eine Vielzahl von (Alt) Schülerinnen und Schülern gibt, die sich nicht gemeldet haben, obwohl sie Grenzverletzungen erlitten haben.“

 

Laut dem Zinsmeisterbericht umfassen Aussagen zu Stüper:

 

FKK, Saunabesuche mit ausgewählten Schülern

Duschen (Einseifen von Unterstuflern am ganzen Körper)

Fotografieren (Nötigung zu Halbakt- und Aktaufnahmen)

rektales Fiebermessen (als Schulleiter bei nackten Unterstuflern, die dabei gestreichelt wurden)

entwürdigende Erziehungsmaßnahmen und gravierende Ehrverletzungen

Freiheitsbeschränkungen

Gesundheitsgefährdung

Persönlichkeitsrechtsverletzung

Gewalt gegen Sachen

körperliche Gewalt

psychische Gewalt

erhebliche (strafbare) sexuelle Handlungen

sexuellen Missbrauch

erzwungenen Oralverkehr

 

3. Pater Schneiders Haltung und Stellungnahmen gegenüber Pater Stüper im Abschlussbericht von Frau Raue (27. 5. 2010)

 

Auf S. 11 wird berichtet, dass Stüper in den Sammelduschen gelegentlich mit erigiertem Penis gesehen wurde und Schüler von oben bis unten einseifte, die sich nicht dagegen wehren konnten. Pater Schneider äußert dazu (S. 13) lediglich, dass es sich beim Duschen, um eine "sinnvolle pädagogische Maßnahme" handelt, "um alle Schüler zur Sauberkeit anzuhalten".

 

Auf S. 12 wird ein Fall erwähnt, bei dem Eltern 1995 den Verdacht auf Missbrauch äußern. Es findet eine Einigung mit der Schule statt, von einer Anzeige nehmen die Eltern Abstand.

 

Auf S. 14 wird Pater Schneider zitiert, der behauptet, "niemals von irgendjemandem wegen irgendwelcher Missstände angesprochen worden zu sein." [Offensichtlich eine Falschaussage, siehe vorhergehenden Punkt]

 

Auf S. 14 wird Pater Schneider zum Thema "Fotografieren" zitiert. Er äußert sich dahingehend, dass viele Fotos einen "künstlerischen Anspruch" gehabt hätten und das Fotografieren "nie heimlich geschehen" sein soll. [Woher weiß Pater Schneider, dass so etwas nie heimlich geschehen ist? Will er damit andeuten, dass Pater Stüper keine Geheimnisse vor ihm hatte?!]

 

Ebenfalls auf S. 14 äußert Schneider, er habe Stüper "einmal überrascht", als der auf der Terrasse seines (Stüpers? Schneiders? Raue schreibt für eine Juristin recht unklar) Büros einen Jungen nackt (Raue meint: einen nackten Jungen) fotografiert habe. Da habe er ihn zurecht gewiesen. Das Fotografieren habe "Anlass zu Missinterpreationen" gegeben.

 

Auf S. 14 äußerst sich Pater Schneider dahingehend, dass ihm Pater Stüper ein Vorbild gewesen sei.

 

Auf S. 14 wird berichtet, dass sich Pater Stüper in einem Gespräch mit Frau Raue als "pädophil" bezeichnet. Pater Schneider, der offenbar zugegen war - hier ist der Bericht wieder schwammig - äußert im März bzw. April 2010 (der Bericht nennt zwei Gesprächstermine) "Aus heutiger Sicht hätte er das damalige Gespräch zum Anlass nehmen müssen, um für die Vergangenheit Klarstellungen zu erreichen". [Aus heutiger Sicht!]

 

4. Pater Schneiders Haltung und Stellungnahmen gegenüber Pater Stüpers Fehlverhalten sowie seine Rolle allgemein im Abschlussbericht von Frau Prof. Zinsmeister (15.2.2011)

 

„Der Altschüler berichtet, auf einer gemeinsamen Autofahrt Anfang der 70er Jahre Pater „Hans“ auf das gemeinsame Duschen mit Pater „Georg“ angesprochen zu haben, der geantwortet habe, dieses sei normal, ob es ihn stören würde.“(S. 62)

 

„In dieser Zeit sei Pater Schneider „Hans“ als Erzieher auf der Stella* tätig gewesen. Ihm und seinen Mitschülern sei klar gewesen, dass er anschließend die Nachfolge von Pater „Georg“ antreten werde. Er ginge davon aus, dass Pater „Hans“ das Verhalten Pater „Georgs“ mitbekommen habe.“ (S.66)

 

Prof. Zinsmeister:„Pater Schneider war Pater „Georg“ jahrzehntelang eng verbunden. Er wurde uns von Altschülern, Mitgliedern und Ordensmännern als Pater „Georgs“ engster Vertrauter genannt. Damit drängte sich zu Beginn 2010 mit Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Pater „Georg“ vielen die Frage auf, ob Pater Schneider von diesen gewusst und Pater „Georg“ gegebenen-falls sogar gedeckt hat. Zu den Berichten, denen zufolge er selbst grenzverletzend gehandelt oder an Grenzverletzungen Pater „Georgs“ mitgewirkt haben soll,“(S. 177)… berichtet Prof. Zinsmeister unter anderem:

 

Berichterstatter 13.: „Der Schüler erinnert zwei Situationen, bei denen nur wenige Jungen beteiligt waren, die von Pater „Georg“ aufgefordert worden seien, sich auszuziehen. Bei einer dieser Situationen sei Pater „Hans“ anwesend gewesen. (…) Der Altschüler schildert, diese Aktionen nicht als unbehaglich empfunden zu haben. Er sei neidisch gewesen, als er zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr dazu gehört habe.“ (S. 69)

 

„Der Altschüler schildert, Pater „Hans“ und Pater „Georg“ seien nachts in die Zimmer

der Jungen gekommen, um heimliche Fotoaufnahmen zu machen.“ (S. 69)

 

Bewertung Prof. Zinsmeister:

„Soweit Pater „Georg“ und Pater „Hans“ nachts heimlich Fotoaufnahmen gefertigt haben, erfüllt dies keinen Straftatbestand. Eine Persönlichkeitsrechtsverletzung läge wegen der Heimlichkeit der Aufnahmen jedoch vor“. (S. 125)

 

Berichterstatter 15. „Beide (Anm. Stüper und sein Opfer) seien auf die Pferdekoppel gegangen und Pater „Georg“ habe ihn aufgefordert, sich in bestimmte Posen zu setzen bzw. zu stellen. Er habe fotografiert und den Schüler aufgefordert, die Hose auszuziehen und sich erneut zu positionieren.(…) Der Altschüler gibt an, dass Pater „Hans“ einige Male zum Fotografieren an der Pferdekoppel hinzugekommen sei. Pater „Georg“ habe Pater „Hans“ aufgefordert, das gute Aussehen des Schülers zu bestätigen, was Pater „Hans“ getan habe.“(S. 70)

 

Bewertung Prof. Zinsmeister: „Eine Grenzverletzung ist darin zu sehen, von strafbarem Verhalten kann nicht ausgegangen werden. Die berichtete Anwesenheit von Pater „Hans“ bei einigen der Situationen stellt keine eigene Grenzverletzung dar.“ (S. 126) [Dennoch wäre Schneider Zeuge einer Grenzverletzung gewesen, gegen die er nicht vorgegangen ist und der er das Kind aussetzte.]

 

Prof. Zinsmeister geht nicht in die Details eines FKK Urlaubs der Patres mit Kindern, sie stellt fest: „Die Verschiebung der fachlich angemessenen Grenzen zwischen professioneller Nähe und Distanz zeigt sich auch daran, dass scheinbar nicht mehr hinterfragt wurde, ob es angemessen war, dass Pater „Georg“ – später gemeinsam mit Pater „Hans“ – zum einen überhaupt mit einigen auserwählten Schülern in Urlaub gefahren ist und zum anderen diese Urlaube teilweise an FKK-Stränden verbracht der mit den mitreisenden Jungen nackt gebadet, gesonnt oder sauniert hat.“ (S. 118)

 

„Diese Auswahl (Anm: der Schüler für den FKK-Urlaub) habe Pater „Georg“ alleine getroffen und nicht mit ihm besprochen. Sein Part sei es gewesen, sich um die gesamte Organisation der Reise, die Route, die Ausrüstung etc. zu kümmern“ so Schneider auf Seite 179.

 

5. Die Rolle von Pater Schneider in der Bewertung von           Frau Prof. Zinsmeister

Prof. Zinsmeister formuliert, es werde „deutlich, dass unter der Ära Pater „Georgs“ am Aloisiuskolleg eine Verschiebung der Grenzen, wie sie oben unter „Täterstrategien“ erläutert wurde, stattgefunden hat, die an nachfolgende Schülergenerationen tradiert wurde. Schülern, die eine Grenzüberschreitung wahrnahmen und die versuchten, sich dagegen zu wehren (Anbehalten der Badehose zum Duschen, Bedecken der Genitalien …) wurde vermittelt, sie seien prüde und ihre Wahrnehmung damit falsch. Durch das Zurschaustellen von Fotografien wenig oder gar nicht bekleideter Jungen wurde die Grenzverschiebung dokumentiert und zementiert.“ (S. 118)

 

Schneider hat also die Täterstrategie „Verschiebung der Grenzen“ wenigstens toleriert, und mitgetragen, dagegen vorgegangen ist er nicht.

 

Prof. Zinsmeister bewertet Schneiders Verantwortung in Hinblick auf Stüpers Fotografieren: „Pater Schneider verfügte aufgrund seines Studiums über Kenntnisse in Psychologie und Pädagogik. Er hätte erkennen können, dass Jungen in diesem Alter weder in der Position sind, noch ein so ausgereiftes Selbstbewusstsein haben, einer gemeinhin als autoritär gefürchteten Respektsperson den Gehorsam zu verweigern oder auch nur eine Bitte abzuschlagen. Er sah das Fotografieren aus gutem Grund für grenzverletzend an. Mit wiederholter Diskussion (Anm. mit Stüper) wurde für ihn erkennbar, dass er Pater „Georg“ nicht mit Argumenten vom Fotografieren abzuhalten vermochte, sondern dafür lediglich den Vorwurf der „Prüderie“ und „Verklemmtheit“ erntete.“(S. 180)

 

[Pater Schneider hat also sehenden Auges die Kinder Grenzverletzungen ausgesetzt. Hatte er keinerlei Überlegungen über den Sinn und Zweck dieser Fotos angestellt? Dass der Grund des Fotografierens von Pater Schneider nicht als harmlos wahrgenommen wurde, zeigt neben seinen bisher dokumentierten Reaktion auch ein RBB-Fernsehinterview vom Februar 2010. Die Formulierung „ich habe ihn gewarnt, nicht so ein Risiko einzugehen“ klingt anders, als beispielsweise „ich habe ihm gesagt, dass er die Kinder nicht benutzen und entwürdigen darf“. Während bei einer Aussage wie der zweiten Interesse am Wohl der Kinder deutlich geworden wäre, klingt erstere nach Überlegungen zum Täterschutz.

 

RBB-Online: Interview mit Pater Schneider.


 

Für Zinsmeister ist die Verantwortung klar: „Zwischen 1989 – 1997, dem Zeitraum, in dem diese Gespräche (Anm. mit Stüper) stattgefunden haben sollen, war Pater Schneider Internatsleiter und damit in der Verantwortung, grenzverletzendes Verhalten eines Internatserziehers zu unterbinden. Er hätte sich als Internatsleiter folglich nicht mit Diskussionen begnügen dürfen, das Fotografien der Jungen endgültig unterbinden müssen.“ (S. 180)

 

Prof. Zinsmeister kommt zum Schluss: „In Bezug auf Pater Schneider ist abschließend festzustellen, dass er zwar positive Kenntnis davon hatte, dass Pater „Georg“ mehrmals das Eigentum von Schülern zum Fenster hinaus geworfen, Schüler geohrfeigt und ihnen rektal Fieber gemessen hatte. Er wusste des Weiteren, dass sich Pater „Georg“ nackt mit Schülern duschte, gibt aber an, dies als normal empfunden und selbst ab und an so gehandhabt [!] zu haben. Uns liegen keine Berichte vor, wonach Pater Schneider zugegen gewesen sein soll, wenn Pater „Georg“ Fieber maß oder Jungen einseifte. Er gibt an, von Handlungen wie dem Einseifen oder jedweden sexuellen Berührungen nichts gewusst zu haben. Insgesamt gewannen wir in den beiden Gesprächen, die wir mit Pater Schneider führten, den Eindruck, dass Pater Schneider nicht nur dem Aloisiuskolleg, sondern auch Pater „Georg“ und dessen Pädagogik aufs Engste verbunden ist.(!) Es scheint für ihn unvorstellbar, dass Pater „Georg“ sich Jungen jemals aus sexuellen Motiven heraus genähert oder deren Grenzen in einem ihm bislang unbekannten Maß verletzt haben könnte. Ihm war es wichtig, seine positiven Erfahrungen mit Pater „Georg“ zu schildern. Pater Schneider haben die vierzig Jahre an Pater „Georgs“ Seite zweifellos sehr stark geprägt.(!) Im Gegensatz zu vielen unserer Ansprechpartner im Orden und Kolleg stand er auch dessen Führungsstil nicht erkennbar kritisch (!) gegenüber. Ob die Einschätzung einiger Gesprächspartner, wonach Pater Schneider auch noch als Internatsleiter und Kollegsrektor in Teilen Pater „Georgs“ Adlatus geblieben sei, zutrifft, können wir nicht beurteilen. Unserer Einschätzung nach vermochte Pater Schneider aber im Laufe der Jahre allenfalls ein geringes Maß an kritischer Distanz (!)zu seinem Mitbruder zu entwickeln, der ihn auf seinen eigenen Lebensweg so lange begleitet und maßgeblich geprägt hat. Um als Internatsleiter und Kollegsrektor Pater „Georg“ in seine Grenzen zu verweisen, hätte Pater Schneider jedoch eine sehr weitreichende kritische Distanz und Entschiedenheit entwickeln müssen.“ (S. 188 f.)

 

[In ihrer Untersuchung vom Anfang 2011 sieht Zinsmeister also bei Schneider „allenfalls ein geringes Maß an kritischer Distanz“ zu einem Mann, der Kinder Jahrzehnte lang missbraucht hat, während er selbst für deren Schutz verantwortlich war. Mehr noch, sie stellt fest, dass die Person Schneider von einem Missbrauchstäter maßgeblich geprägt wurde.]

 

6. Widersprüche bei Umgang mit Aktfotografien/Halbakten

Frau Raue mahnte im Jahr 2007 an, die Knabenfotografien müssten vernichtet werden, um Persönlichkeitsrechte nicht zu gefährden. Pater Schneider sicherte ihr zu, zu überwachen, dass Pater Stüper dies tut. Im Jahr 2010 tauchten dann etliche Kartons mit solchen Fotos in Pater Schneiders Besitz auf. In Hinblick auf die Vernichtung von Beweisbildern, berichtet Prof. Zinsmeister von folgendem Widerspruch: „Pater Schneider hat Frau Raue später bestätigt, er sei bei der Vernichtung der Bilder dabei gewesen und diese Angabe 2010 in einer öffentlichen Erklärung für Schüler, Eltern, Lehrer und Kollegen nochmals wiederholt. Im Gespräch mit uns gibt Pater Schneider an, er habe die Vernichtung der Bilder nicht direkt verfolgt, sondern sich im Nachbarzimmer aufgehalten und dort den Schredder gehört. Er sei anschließend ins Zimmer gekommen und habe festgestellt, dass die Schatulle leer war. Da Frau Raue als Expertin in Sachen Missbrauch mit der Vernichtung der Bilder die Angelegenheit für erledigt betrachtet habe, habe er keinen Grund gesehen, aus dem Verhalten Pater „Georgs“ weitergehende Schlüsse auf mögliche Missbrauchshandlungen zu ziehen“ (S.187)

In diesem Zusammenhang spricht Pater Schneider öffentlichkeitswirksam von einer Mediation, die 2007 mit einem betroffenen Schüler stattgefunden haben soll, Bonner Generalanzeiger, 09.02.2010 (http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka&itemid=10490&detailid=697174).

Frau Raue stellt richtig: „Es habe aber kein Mediationsverfahren stattgefunden, widerspricht sie. Die Kontrahenten hätten nie an einem Tisch gesessen.“ Bonner Generalanzeiger, 09.03.2010.http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka&itemid=10490&detailid=710183

 

Laut Frau Zinsmeister tauchten 2010 im Rahmen der Untersuchung am AKO 739 Fotos von Schutzbefohlenen im Nachlass Pater Stüpers auf. Darunter 255 Bilder, auf denen Kinder in "auffälliger" Weise, d.h. halb oder vollständig entkleidet bzw. aus einer aus anderen Grüdnen als erotisch interpretierbaren Weise abgebildet sind.

 

7. Pater Schneiders Stellvertreter findet kein Gehör

Durch das Buch Sacro Pop von Miguel Abrantes wurde 2004 ein Skandal in Bad Godesberg losgetreten, Prof. Zinsmeister berichtet, hierüber habe der Kollegsrat beraten: „Der damalige stellvertretende Internatsleiter Dr. Haep (Anm: selbst Akoschüler, in der Zeit Stüper/Schneider) hingegen berichtet, er selbst und andere hätten in diesen Sitzungen darauf hingewiesen, dass sich verschiedene im Buch beschriebene Verhaltensweisen der Figur des „Pater Steinfels“ – z.B. das Fotografieren und rektale Fiebermessen – durchaus mit der Wirklichkeit deckten. (…) Er habe darum auf der Kollegsratssitzung auch bei den Verantwortlichen darauf gedrängt, bestimmte Verhaltensweisen Pater „Georgs“ zu unterbinden und die Fotos in der Stella Rheni abzuhängen. Er habe aber kein Gehör gefunden …“ (S. 183). [Die Verantwortlichen 2004 waren Internatsleiter Schneider und Rektor Werner.]

 

„Dass Pater „Georg“ auch nach 2006 noch aushilfsweise auf der Stella Rheni tätig war, wurde uns von Pater Schneider bestätigt. Auch Dr. Haep gibt an, Pater „Georg“ habe 2007 noch vereinzelt auf der Stella übernachtet, dies sei aber ohne Absprache mit ihm geschehen. Er habe Pater Schneider als dem zuständigen Oberen erklärt, dass dies nicht in Frage komme. Er selbst sei Pater „Georg“ gegenüber nicht weisungsbefugt gewesen.“ so berichtet Prof. Zinsmeister. (S. 185)

 

Zinsmeister“ liegen Berichte von Altschülern vor, wonach Pater „Georg“ auch 2007/2008 noch Duschaufsicht geführt und Schüler medizinisch versorgt haben soll. Allerdings hatten die Berichterstatter nicht genau datiert, in welches der beiden Jahre diese Ereignisse genau fielen.“ (S. 185)

„Und warum durfte ein in Verdacht geratener Pater bis 2007 im Internat und bis Anfang 2009 auf dem Ako-Gelände bleiben? "Da habe ich ganz auf Pater Schneider vertraut", sagt Raue nachdenklich.“ Bonner Generalanzeiger 09.03.2010 http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka&itemid=10490&detailid=710183

 

8. Pater Schneiders Entschuldigungen

Aus einer öffentlichen Erklärung im Juni 2010: „Aus heutiger Sicht gebe ich klipp und klar zu, dass es geboten gewesen wäre, dem Verhalten von Pater („Georg“) näher nachzugehen und ggf. Handlungen rigoroser zu unterbinden, selbst wenn sie nur Gegenstand von bloßen Missverständnissen hätten sein können. Heute weiß ich, dass ich nachdrücklich auch bei ihm hätte unterbinden müssen, was mein eigener Kompass für mich als richtig anzeigte, was möglicherweise Jugendlichen schadete, auch wenn sie das zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu artikulieren wagten, wie starke unabhängige Erwachsene das für sich tun. Dass ich dies nicht getan habe, war ein gravierender Fehler. Heute – nach vielen Gesprächen mit Betroffenen - erkenne ich im Übrigen auch, wie unterschiedlich Situationen nicht nur aus der Perspektive von damals und heute, sondern wie verschieden schon damals ein und derselbe Vorgang, das gleiche Verhalten, die gleiche Situation (wie des gemeinsamen Duschens oder Schwitzens in der Sauna, das Fotografieren des in Umrissen als nackt erkennbaren Jungen im Gegenlicht durch Pater „Georg“) von Betroffenen und Dritten empfunden werden können: vom einem als völlig normal und nicht weiter bemerkenswert, vom anderen vielleicht als deutlicher Übergriff, der noch nach Jahren als verletzend empfunden werden mag. Dies hätte ich früher und sensibler wahrnehmen und im Zweifel den Empfindsameren Rechnung tragen müssen.“ (siehe Zinsmeisterbericht S. 188)

 

Im Göttiner Tageblatt vom 8.10.2011 findet sich zum wiederholten Male die Formulierung, er, Pater Schneider, habe eingeräumt, nicht rechtzeitig die Aufklärung von Vorwürfen eingeleitet zu haben und sich bei den Opfern entschuldigt. [Eine alberne Ausage, die wohl den Eindruck hervorrufen soll, Pater Schneider habe sich durchaus um Aufklärung bemüht, nur eben nicht ganz so prompt. Manchmal vergehen drei Jahrzehnte wie im Fluge.]

 

Im gleichen Artikel formuliert Pater Schneider er sei für Gespräche offen. und: "Es gibt auch einzelne Gespräche mit Opfern." [Es gibt... Sicher richtig und juristisch unangreifbar.]

 

Abschließend räsoniert Schneider in dem Interview: "Ich habe noch keine Antwort darauf gefunden, wieso sich die Kritik auf meine Person konzentriert."

 

9. Pater Schneiders Verhalten seit dem öffentlichem Bekanntwerden der Missbrauchsfälle im Februar 2010

 

-        Pater Schneider hat sich nie öffentlich von Pater Stüper distanziert.

-        Trotz seiner Beteuerung in einem Pfarrbrief der Göttinger Gemeinde St. Michael ist dem „Eckigen Tisch“ kein Betroffener bekannt, mit dem Pater Schneider je versöhnlichen Kontakt gesucht hätte.

-        Allerdings liegen mehreren Betroffenen Rechtsanwaltschreiben im Auftrag von Pater Schneider vor. Darin wird mit hohen Geldstrafen gedroht, falls noch einmal öffentlich behauptet würde, Pater Schneider sei ein Mitwisser.

-        Bei einem Treffen des Eckigen Tischs in Oberdollendorf ließ sich Pater Schneider durch Frau Raue entschuldigen. Der zurückgetretene Rektor wolle lieber einigen Schülern Nachhilfe geben, um sie auf ihre Abiturprüfungen vorzubereiten.

 

Wenn pädagogische Versager wie Pater Schneider das volle Vertrauen des Ordens genießen und Menschen seelsorgerischen Rat geben dürfen, dann setzen die Jesuiten ihren pädagogischen und seelsorgerischen Anspruch weiterhin erstaunlich niedrig, ja: schwindelerrregend niedrig im Vergleich zum aufgeblasenen Image.

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*Stella Rheni, neoklassizistisches Schloss in dem Pater Stüper als einziger Ordensmann / teilweise einziger Erwachsener wohnte. http://de.wikipedia.org/wiki/Aloisiuskolleg#Stella_Rheni

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Kommentare: 13
  • #1

    B. Muth (Mittwoch, 12 Dezember 2012 22:26)


    Mir hat ein ehemaliger Ako-Schüler selber berichtet, dass er mit den Patres Stüper und Schneider in Urlaub war. Bei dieser Gelegenheit wurde er aufgefordert, sich in Anwesenheit der Beiden nackt auszuziehen, um einene Moltopren Anzug anzuprobieren. Ausserdem erzählte dieser Schüler auch, die beiden Herren hätten gemeinsam in einem Zimmer in einem Doppelbett übernachtet. Damals habe ich diesen Aussagen (natürlich!) nicht geglaubt. Nachdenklich wurde ich erst ein Jahr später als ein ehemaler Ako-Schüler, dem ich von der Urlaubs-Einladung erzählte, spontan feststellte: Also vernascht der Stüper immer noch kleine Jungen."
    Nachdem, was inzwischen bekannt geworden ist, könnte man P. Schneider zumindest das, was man gemeinhin "unterlassene Hilfeleistung" nennt, vorwerfen. Er aber lebt, geschützt von seinem Orden, nun friedlich in Göttingen. Wie geht noch einmal die Story von den drei Affen? .

  • #2

    Christian Thibault (Mittwoch, 12 Dezember 2012 22:33)

    Sehr gute Arbeit! Klarer kann man es wohl kaum noch machen. Nur traurig, dass dies überhaupt noch nötig zu sein scheint, Ende 2012!

  • #3

    prof.dr.gernot lucas (Donnerstag, 13 Dezember 2012 12:37)

    dank an anselm neft für seine fleißarbeit für uns betroffene.
    prof.dr.gernot lucas

  • #4

    Buddenkotte, Katinka (Donnerstag, 13 Dezember 2012 13:21)

    Liebe(r) B.Muth,
    was mich an Ihrem Kommentar irritiert, dass Sie dem Schüler, der Ihnen von diesen Erlebnissen erzählt haben "(natürlich!)" nicht geglaubt haben. Gerade, wo Sie im Anschluss die drei Affen zitieren.

  • #5

    Christian Thibault (Donnerstag, 13 Dezember 2012 18:05)

    Warum lässt der Fall Theo Schneider die Betroffenen nicht ruhen? Er hat ja viele persönlich enttäuscht, verhöhnt, bedrängt. In Sonntagsreden und dann wenn es medienwirksam und nötig ist hat er sich ja bereits erklärt und teilweise entschuldigt für sein Verhalten. Warum trägt er dies nicht den Betroffenen persönlich vor? Er hat die Namen, die Telefonnummern und die Adressen. Diese nutzt er aber nur um sie mit Klage zu bedrohen, falls sie über das ihnen unter seiner Verantwortung widerfahrene zu sprechen wagen. Hierbei steht ihm scheinbar die selbe Anwaltskanzlei zur Verfügung wie zum Beispiel dem Papst versus Titanic.. ( in Erwartung der Nicht-Freigabe dieses Kommentars respektive eines Anwaltsschreibens..)

  • #6

    Anselm Neft (Samstag, 15 Dezember 2012 12:17)

    Der Nachruf auf Pater Stüper wurde von Dr. Eschweilers Homepage entfernt. Ich stelle den Text bald hier ein, damit sich die Öffentlichkeit ein Bild machen kann.

  • #7

    Anselm Neft (Freitag, 21 Dezember 2012 12:47)

    bzw., da ich die Rechte an dem Nachruf nicht habe: Ich sende den Text gerne an Interessierte per Mail. Nutzen Sie dazu das Kontaktformular.

  • #8

    Angelika Oetken (Dienstag, 01 Januar 2013 13:36)

    Diese nutzt er aber nur um sie mit Klage zu bedrohen, falls sie über das ihnen unter seiner Verantwortung widerfahrene zu sprechen wagen. Hierbei steht ihm scheinbar die selbe Anwaltskanzlei zur Verfügung wie zum Beispiel dem Papst versus Titanic..
    ---------------------------------------------

    Was Menschen, die keine Kirche brauchen, um klare Werte zu haben, "absurd" erscheint, ist aus Sicht der Profiteure des Systems Stüper folgerichtig:

    Soweit ich das Ganze bisher verstanden habe, hat Pater Ludger Stüper SJ für den Jesuitenorden und angeblich auch für die RKK viel Geld erwirtschaftet. Geld das wieder dafür ausgegeben wurde, Menschen von Großartigkeit des rechten Glaubens zu überzeugen und das dafür notwendige Personal zu unterhalten.
    Jesuiten sind ein Missionsorden. Nicht zuletzt aus diesem Grund bilden sie junge Menschen aus.
    Etwas verkürzt gesagt, hat Pater Ludger Stüper SJ im Aufrage von Jesus Christus persönlich gehandelt.
    Wer "Blues Brothers" kennt:
    "Wir sind im Auftrag des Herrn unterwegs"...

    Menschen, die so etwas Bedeutungsvolles und Wichtiges tun, müssen über ebenso herausragende Fähigkeiten verfügen. Ob das auf sie zutrifft, das findet man am besten anhand verschiedener Prüfungen heraus, denen man sie im Laufe des Erwachsenwerdens unterzieht.
    Man nennt so etwas Initiationsritus.
    Die Prüfungen, denen viele der Jungen, die Pater Ludger Stüper SJ anvertraut waren ausgesetzt wurden, bestanden unter Anderem darin, zu zeigen, dass sie sexualisierte Grenzüberschreitungen bis hin zu schwerer sexueller Gewalt so verarbeiten, wie es dem Wertesystem im Orden und dem des AKO-Umfeldes offenbar entsprach.

    Demnach sollten sie als Reaktion auf den Missbrauch entweder selbst übergriffig werden oder anderweitig zeigen, dass sie ihr Mitgefühl und andere Emotionen kontrollieren und gegebenenfalls vollkommen unterdrücken können.

    Alles um zu zeigen, dass sie "echte Männer" sind.

    Das war, was die damalige Gesellschaft zu der die Jesuiten als eine der oberen moralischen Instanzen gehörten von ihren männlichen Mitgliedern erwartet hat.

    Das wichtigste Gebot in diesem Milieu heißt
    "Oben buckeln, unten treten"

  • #9

    Tom Roth (Sonntag, 13 Januar 2013 12:47)

    Die Vorstellung eines P. Schneider der einen P.Stüper kritisch gegenüber tritt, erscheint mir wie die einer Maus, von der der Stabhochsprung gefordert wird.
    Zu wünschen wäre, dass die in "unheilige Macht" zum Ausdruck gebrachte kritische Selbst- und Systemreflexion auch P.Schneider hilft zu einer neuen Bewertung seiner Rolle zu gelangen.
    Aus meinem Erleben wäre eine kritische und korrigierende Konfrontation P. Stüpers viel eher von einem Dr. Eschweiler zu erwarten gewesen. Aber wie auch die Pfeilspitze im Ötzi lange übersehen wurde, so ist doch auch zu berücksichtigen, dass Vieles das im Nachhinein offensichtlich erscheint, tatsächlich selektiv nicht wahrgenommen wurde. Ich selbst habe mich über die Bilder im AKO-Heft mokiert und im Scherz geäussert "die könnten auch genauso gut aus einem Pädophilen Magazin stammen" ohne im Entferntesten an die Möglichkeit dessen zu denken, was nun ans Tageslicht gekommen ist.

    Insofern erscheint mir der kritische Blick auf das System Jesuitenschule zielführender als der Blick in die Abgründe einzelner Personen.
    Ich denke das AKO wird sich als Institution selbstkritisch fragen müssen (und fragen lassen müssen), welche Werte vermittelt werden sollen.
    Beschränkt sich der Anspruch Eliteschule auf das Tragen von Barbour Jäckchen und Hermès Schälchen?
    Ist nicht auch die Priorität des Leistungsprinzips und die Beweihräucherung der eigenen Erfolge ein den Werten des Ordens komplementärer Tanz um das goldene Kalb?
    Wäre es nicht an der Zeit dem Diktat des wirtschaftlichen Wachstums und der moralfreien Effizienz eine echte Alternative aufzuzeigen? Jenseits aller römisch-katholischen Dogmen ein Menschenbild zu vermitteln, das nicht Wertschätzung an beruflichem Erfolg bemisst?

    Aber gerade die prominente Darstellung der weltlichen Erfolge der Alumni in den AKO-Heften ist ein Werben um Eltern, denen es in erster Linie um den wirtschaftlichen Erfolg ihrer Zöglinge geht.
    Und solange die wirtschaftliche Abhängigkeit von Eltern, wie von mir erlebt dazu führt, dass einzelne Eltern Einfluss auf den Unterrichtsstoff nehmen können ( H.Heine durfte nicht mehr gelesen werden, weil er als Jude doch nicht so bedeutsam wie Goethe und Schiller sei. (etwa1980)), solange sind Vertuschung und Doppelbödigkeit zur Wahrung des guten Rufes weiter zu erwarten.

    Das ist nun alles sehr viel ausführlicher geraten, als ursprünglich beabsichtigt. Obwohl ich P.Stüper nur ein Jahr als Mathelehrer hatte, so ist er doch der Lehrer, der mir als der mich am stärksten prägende in Erinnerung geblieben ist.

  • #10

    Anselm Neft (Sonntag, 13 Januar 2013 14:44)

    Lieber Herr Roth,

    in meinen Augen prägen Systeme Individuen und Individuen Systeme. Ich möchte nicht nur das eine oder nur das andere betrachten. Die Persönlichkeiten von Stüper und Schneider sind Bausteine in der Rekonstruktion dessen, was gewesen ist. Ein anderer ist natürlich die Mentalität vieler Eltern, Schüler und Lehrkräfte.

    In meinen Augen ist das Aloisiuskolleg kein Elite-Gymnasium. Zu meiner Zeit (1983 - 1992)
    waren viele Lehrer und Lehrerinnen pädagogisch und didaktisch bestenfalls Mittelmaß. Es gab offensichtlich keine Qualitätsstandards und keine Supervisionen. Dass ein Stüper so walten konnte, zeigt, dass sich niemand vom Orden oder der Schulaufsichtsbehörde für diese angebliche Eliteschule verantwortlich fühlte.

    Der Leistungsgedanke galt m.E. meist nur, wenn es Lehrern in den Kram passte, um Schüler zu demütigen und um zu erklären, warum deren Wohlergehen keine Rolle spielte. Schwarze Pädagogik, so weit man blickte. Echte Förderung von Talenten oder Unterstützung Lernschwächerer habe ich so gut wie nicht erlebt.

    Sicher war zu meiner Zeit der Prozentsatz an Kindern aus gutbetuchten Elternhäusern größer, als an anderen Bonner Schulen. Klar haben da auch einige Schüler später gute Posten gefunden, manchmal vielleicht sogar aus Befähigung.

    Ich bin froh, diese Schule besucht zu haben. Ich habe dort eine tiefe Skepsis gegenüber einem unkritischen Geldadel und dem reaktionären Gewäsch einer selbsternannten (pseudochristlichen) Elite entwickelt, die ihre Unvernunft bereits dadurch offenbart, dass sie Status über Solidarität stellt. Auch habe ich gelernt, dass viele Menschen die christliche Botschaft missbrauchen, um ihre Gier und Kleinlichkeit vor anderen und sich selbst zu verschleiern. Das war sehr guter Anschauungsunterricht, um das Jesuswort zu begreifen: "Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon."


    Mit freundlichen Grüßen,

    Anselm Neft

  • #11

    Tom Roth (Montag, 14 Januar 2013 00:17)

    Lieber Herr Neft,

    Ich übernehme mal Ihre förmliche Ansprache, auch wenn mir dies im Internet ungewohnt ist und unter Schulkollegen eigentlich unnötig erscheint. Bitte verstehen Sie meine Ausführungen nicht als Widerspruch und Kritik, sondern als Ergänzung und Weiterführung.

    Während ein P. Stüper eine komplette Klasse rebellischer 16 jähriger durch bloße schweigende Präsenz in Angststarre versetzte, ließ P. Schneider es zu, dass sein Unterricht von einem einzelnen Schüler komplett boykottiert und ganze Stunden in Einzeldiskussionen versanken, die dann von den Anderen zum Anfertigen der Hausaufgaben für die nächsten Stunden genutzt wurden.
    Ob das nun als Gutmütigkeit, Naivität oder pädagogische Inkompetenz zu werten ist möchte ich mir zu beurteilen nicht anmassen.
    Wenn aber ein Schulsystem einzig darauf vertraut, dass ein Vorgesetzter ausreichend Rückrat hat einen Mitbruder in die Schranken zu weisen, ohne unabhängige Kontrollmechanismen und wenn Beschwerden in den Akten der Beschwerdeführer abgelegt werden, statt in der Akte des Beschuldigten, dann ist dies doch ein systemisches Versagen.
    Noch schwerer aber wiegt, dass zu keinem Zeitpunkt an die Schüler gedacht wurde.

    Ich gebe dir Recht, dass die Persönlichkeit P. Stüpers ein Baustein in der Rekonstruktion des Geschehenen ist. Bei P. Schneider bin ich mir da nicht so sicher wie ergiebig das sein soll. Christian schreibt von Enttäuschung. Ich meine Enttäuschung setzt Erwartung voraus.
    Die aber ist mir in meiner Zeit am AKO abhanden gekommen.

    Positiv überrascht aber war ich von den Ausführungen von Zoll SJ, Büntrup SJ, Dartmann SJ und den anderen Autoren der "unheiligen Macht". Auch wenn ich nicht alle Schlussfolgerungen teile, sehe ich doch echtes Bemühen und radikales in Frage stellen.


    Ohne Dir dies unterstellen zu wollen sehe ich in der Betrachtung einzelner Persönlichkeiten die Gefahr, sich mit der Entfernung und/oder Bestrafung dieser Personen zufrieden zu geben, das System aber unverändert zu lassen.
    Ich war am AKO auch der grenzüberschreitenden Gewalt einer Erzieherin ausgesetzt. Und da scheint mir das System eine entscheidendere Rolle als die Persönlichkeit gespielt zu haben. Vielleicht speist sich ja auch aus diesem Erleben mein Fokus auf die systemische Sicht.

    Talentförderung habe ich ausgerechnet von P. Stüper erfahren, muss mich aber heute auch fragen, in wie weit ich mich dabei zur Demütigung meiner Mitschüler habe instrumentalisieren lassen.

    Ich habe lange mit meiner Schulzeit gehadert, denke aber mal dass geht vielen so, auch an anderen Schulen. Letztlich würde ich aber auch ein positives Fazit ziehen.

    LG tom

    Ach, und vielen Dank für die Möglichkeit dieses Austauschs.

  • #12

    ET BONN (Donnerstag, 09 April 2015 15:38)

    Hier nochmal der Link funktionierend
    http://www.rbb-online.de/kontraste/ueber_den_tag_hinaus/terrorismus/kindesmissbrauch_.html

  • #13

    ET BONN (Montag, 20 April 2015 10:58)

    Auch im STERN wird Schneider als Zeuge genannt.
    http://www.stern.de/panorama/3-missbrauch-in-der-kirche-hier-reden-die-opfer-1551655.html