Schock in der Sesamstraße: Elmo hat Trump gewählt

Grobi, Bibo und Kermit stehen mit hängenden Schultern auf dem Bordstein. Sie können es immer noch nicht fassen. Schlimm genug, dass der Demagoge Donald Trump zum künftigen Präsidenten der USA gewählt wurde. Seit gestern müssen die Drei eine weitere Horrornachricht verdauen – im scheinbar liberalen Biotop der Sesamstraße haben nicht alle Puppen die Demokratin Clinton gewählt.   

                                

„Es ist nicht zu fassen“, ächzt Grobi aufgebracht. „Da spaziert er gestern über den Markt und singt mit seinem Falsett my candidate has won. Ohne rot zu werden! Gut, Elmo ist ja auch schon rot.“                                 

 

„Klar, Hillary hat nicht das Charisma eines Obama oder Bernie“, quakt Kermit, „und ja, sie ist ein Falke, aber he, ich bitte euch, Trump?! Das geht  gar nicht!“ Auch der große gelbe Bibo lässt die Flügel hängen. „Was sind das nur für Puppen, die einen größenwahnsinnigen Hetzer wählen?“, sagt er nachdenklich. „Gerade hatten wir ja alle eine Erklärung. Kermit, Bert und Susanne Klickerklacker meinten, es sind die wirtschaftlich Abgehängten, der ungebildete White Trash auf dem Land. Ich, Lulatsch und Mumpitz dachten, es sind die weißen rassistischen Männer“, fasst der große Vogel die Debatte zusammen. Grobi mischt sich ein: „Das Krasse ist: Auf Elmo trifft nichts davon zu. Absolut nichts. Er hat einen guten Abschluss, verdient gut, er ist nicht weiß und er ist kein Mann.“   

 

„Vielleicht ist er Sexist“, gibt Kermit zu bedenken. „So einer wählt lieber einen Demagogen als eine Frau. Es wurde ja verdächtig viel auf dieser Power-Zicke rumgehackt.“               

 

Ganz in der Nähe hebt sich der Deckel einer Mülltonne. Der plötzlich heranwehende Geruch treibt den Puppen Tränen in die Augen. „Sexist?“ ruft Oskar aus der Mülltonne. „Unser Elmo?“                                       

 

„Du hast nicht gewählt“, schnaubt Kermit. „Halt dich da raus.“                                                                      

 

„Also erstens haben Krümelmonster und Schlemihl auch nicht gewählt. Zweitens rede ich, wann und was ich will. Und drittens: Elmo kennt noch nicht mal den kleinen Unterschied. Wie soll er da Sexist sein?“        

 

„Fair enough“, sagt Kermit.                                                                                            

 

„Noch was“, grummelt Oskar. „Graf Zahl hat auch Trump gewählt. Hab gehört wie er in seinem Schloss in der

Wahlnacht El Trumpo gerufen und gelacht hat. Vorher hat er natürlich die Wahlstimmen laut nachgezählt.“ Der Tonnendeckel schließt sich. Kurz ist es still in der Sesamstraße.     

                                                               

„Graf Zahl“, flucht Grobi und ballt die flauschige Faust. „Typisch politisch inkorrekter Zigeunerbaron… äh, ich meine Adeliger mit Migrationshintergrund.“                

 

„Graf Zahl? Das ergibt Sinn“, wirft Bibo ein. „Der war doch immer gegen die Globalisierung.“                                                                                               

 

„Dabei wäre er ohne die gar nicht hier“, sagt Grobi.                                        

         

„Eben“, sagt Bibo. Kermit schaltet sich ein: „Moment Freunde. Mir hat der Graf vor Wochen erzählt, seine Untoten-Altersvorsorge bestehe aus Credit Default Swaps gegen saudische Staatsanleihen.“                                                                                      

 

„Und was hat das mit Trump zu tun?“, fragt Grobi mit brüchiger Stimme. Kermit kratzt sich am Kopf: „Also. Trump steht für Deregulierung der Finanzmärkte, Fracking und keine Unterstützung für die Jihadisten in Syrien und die pro-saudischen Kämpfer im Jemen. Das könnte sich für Graf Zahl rechnen. Moment! Wen haben wir denn da?!“                              

                                         

Sichtlich gut gelaunt flaniert Elmo die Sesamstraße hinunter, auf den „Lippen“ den berüchtigten Elmo’s Song. Grobi, Bibo und Kermit tauschen tiefe Blicke aus. Dann springt Grobi auf, stößt Professor Hastig zur Seite, spurtet zu Elmo und packt den flauschigen Wicht am Schlafittchen: „Elmo, du Hirni.“ Er schüttelt die Puppe. „Wieso verdammmichnochmal hast du Trump gewählt! Spuck’s aus!“     

                     

„Hä?“, quäkt Elmo. „Ich kann machen was ich will. Das nennt sich Demokratie, du Grobian!“ Doch Grobi schüttelt weiter und brüllt: „Der Trump, der Fascho, der schafft die Demokratie vielleicht ab, du Muppet!“        

 

„Hey! Donald ist einer von uns“, fistelt Elmo. „Ein Leben für’s Showbiz, die Haare schön und nie laaaaaangweilig!“           

                                                                           

„Es geht doch nicht um Haare“, wütet Grobi. „Es geht um Inhalte, du klimawandelleugnende Puppe aus Kinderarbeit in der 3. Welt.“  

                                          

„Blablabla, du linksdrehende Fair-Trade-Bio-Hanf-Handpuppe der korrupten Elite. Ich lass mir von keinem was sagen“, ertönt Elmos hohes Stimmchen. „Wieso meinst du, du hast mehr Recht als ich? Wir sind doch alle gleich viel wert, gell? Jede Stimme muss gehört werden. Das sagt ihr liberalen Marionetten doch immer.“                

 

„Weil, weil, weil… Ich einfach Recht habe“, schreit Grobi. Jetzt nähern sich auch Kermit, Bibo und andere besorgte Puppen dem Zentrum des Spektakels. „Du solltest auf die Älteren hören, auf die Gebildeteren, die gefestigten Humanisten. Die Profis! Die, die über ihren Tellerrand schauen und nicht nur an Investment denken wie der Graf.“ Der ansonsten blaue Grobi schillert rötlich.  

                                                

„Nö!“, sagt Elmo und reißt sich los. Pfeifend schreitet er die Sesamstraße hinunter. Während Grobi ihm schwer atmend nachschaut, hebt sich ein weiteres Mal der Deckel der Mülltonne: „Das ist der schöne, jugendfrohe Anfang der Tyrannei“, zitiert Oskar aus der Mülltonne Platon. Es stinkt gewaltig.  

 

 

 

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