Anselm Neft Geschichten

So

29

Aug

2010

Philomena Ellenhub - ein Salzburger Bauernroman

Auf dem Blog "Common Reader" habe ich eine Rezension des epischen Bauernromans "Philomena Ellenhub" eingestellt:

 

http://common-reader.de/2010/05/johannes-freumbichler-philomena-ellenhub/

 

Das lesenwerte, wenn auch weitschweifige Buch, das eine Frau von der Jugend bis ins mittlere Alter zusamt ihrer bäuerlichen Umwelt porträtiert, erschien 1937. Der Verfasser Johannes Freumbichler ist weitgehend in Vergessenheit geraten. Bekannter wurde sein Enkel Thomas Bernhard. 

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Mo

19

Apr

2010

Kindesmissbrauch als gesamtgesellschaftliches Phänomen - eine Buchrezension

Auf dem Buchrezensions-Blog "common reader" stelle ich den autobiographischen Roman "Fast eine Kindheit" von Hans-Georg Behr vor. Darin werden viele Arten von missbräuchlichem Umgang mit einem Kind als gesellschaftlicher Alltag beschrieben. Neben Drill, Prügelstrafe, sexuellen Übergriffen und Mutter-Sohn-Verstrickung, nimmt die Darstellung eines katholischen Internats viel Raum ein. Behr zeichnet ein genaues, bedrückendes und differenziertes Bild von schuldhaft erlebter Sexualität, durch die Generationen weitergereichtem Missbrauch, Bespitzelung, Misstrauen, Hierachie und Sozialdarwinismus, die sich hinter der Maske der Frömmigkeit zu einem seelenzerstörenden System verbinden.

Das Buch spielt in den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts, also in der Zeit, in der Pater Stüper (Aloisiuskolleg) aufwuchs und Pater Statt (Canisiuskolleg) geboren wurde. 

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Fr

26

Mär

2010

Pater Stüper - ein Traum

Meine Gymnasial-Zeit habe ich auf dem Aloisius-Kolleg in Bonn-Bad-Godesberg verbracht, einer jener Schulen, die zur Zeit wegen Missbrauchsfällen in den Medien sind. Der damalige Schulleiter, Pater Ludger Stüper, war dafür bekannt, leidenschaftlich gerne Knaben zu fotografieren, am liebsten nackt. Auf dem Schulhof wurde von seinem riesigen Penis gesprochen, den manche Internatsschüler sahen, wenn sie beim Duschen vom nackten Ober-Pater gemustert wurden oder als "Auserwählte" mit ihm und Pater Theo Schneider, seiner rechten Hand, einen Segeltörn mit FKK-Einlagen machten. All das war damals kein Geheimnis. Wir Nicht-Internatsschüler fanden die Geschichten seltsam und anzüglich und misstrauten den Jesuiten noch mehr. Schlaflose Nächte hatten wir jedoch nicht, und unseren Eltern konnten wir schon unsere eigenen Sorgen oft nicht anvertrauen, wie dann die der schnöseligen Internatsschüler?
2004 veröffentlichte Miguel Abrantes Ostrowski ein Buch über seine Internatszeit am AKO, in dem er einige der bekannten Vorfälle zu lümmelhaften Anekdoten verdichtete. Interessiert hat sich außerhalb der "AKO-Familie" kaum jemand für dieses Buch, bis Pater Klaus Mertes (er wurde in Bonn geboren und besuchte sechs Jahre lang das AKO) im Januar 2010 mit Nachdruck die Aufdeckung von Missbrauchsfällen am Berliner Canisius-Kolleg vorantrieb.

Miguel Abrantes Ostrowski meldete sich erneut zu Wort und bekräftigte in Zeitung und Fernsehen, dass auch am AKO einige Erzieher ihr Amt gegenüber den Heranwachsenden missbraucht haben. Wie zu erwarten, solidarisierten sich nun viele ehemalige AKO-Schüler mit den Tätern. Christoph Pilars de Pilar wertet die Vorwürfe gegen Pater Stüper als "Rufmord an einem honorigen Mann" (Generalanzeiger am 13.2.2010). Bereits am 12.2. wurde auf Orden-online ein Brief von de Pilar veröffentlicht, der die Vorwürfe als Lügen abtun soll. Kurz darauf drückten rund 500 ehemalige Akoschüler und Schülereltern der Schule ihre Verbundenheit in einem offenen Brief aus. Auch Martin Lohmann zeigte sich in der Freien Welt solidarisch mit der Schule und nannte Pater Schneider einen der "Feinsten und Sensibelsten".

Ein vergleichbares Verhalten ist oft in Kleinfamilien zu beobachten. Ein Kind wird vom Vater (oder auf andere Weise von der Mutter) missbraucht und die Mutter solidarisiert sich mit dem Vater. Es heißt: Das Kind trägt die Schuld für die Vorfälle, oder hat sie erfunden, um Aufmerksamkeit zu bekommen, oder zumindest übertrieben, denn es sei doch alles nicht so schlimm. Wir ekeln und fürchten uns vor den Opfern. Wir köpfen die Überbringer schlechter Nachrichten. Wir hassen die, deren Narben daran erinnern, dass wir lügen. 

Vor eingen Nächten hatte ich folgenden Traum: Ich laufe durch Bad Godesberg, am Fuße des Hügels, auf dem das Aloisiuskolleg thront. Nun bin ich erwachsen, stärker und freier. Ich sehe Pater Stüper auf mich zukommen. Ich plane, ihm ohne Vorwarnung in die Fresse zu schlagen. Als ich näher komme, bemerke ich, dass er noch sehr kräftig und vital wirkt. Ich denke: Einfach schnell zuschlagen, das schaffst du. Dann tauchen plötzlich Männer in meinem Alter auf - breitschultrig, stiernackig, in schwarzen Anzügen. Sie stellen sich schützend um den Pater. Ich denke: Ich mach's trotzdem, ich muss nur ganz, ganz schnell sein. Dann stehe ich vor Pater Stüper. Sein Blick auf mich ist hart und abschätzig. Ich gebe ihm die Hand und bin kurz froh, dass er sie nimmt.

In Verbundenheit nur mit den Betrogenen, Missbrauchten, Enttäuschten, Entmachteten, Ausgenutzten, Übergangenen und Ungehörten.

Anselm Neft

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Mi

10

Mär

2010

Leipziger Buchmesse

Dieses Jahr lese ich viermal aus fünf Büchern auf der Leipziger Buchmesse. Mehr unter Termine.

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Do

25

Feb

2010

Ein Gespräch mit Helene Hegemann

Zur Zeit liege ich fiebernd auf durchgeschwitzter Matratze. Ab und an erscheint mir Helene Hegemann und streicht mir das Haar aus der Stirn. Dabei unterhalten wir uns auch. Hauptsächlich über ihr Buch Axolotl Roadkill. Ein Protokoll unserer Gespräche findet sich hier:

 

http://common-reader.de/ .

P.S.: Die Axolotl-Idee hat sie aus meiner Geschichte "Der Ring, das Kind, die Krokodile" (Die Lebern der Anderen, Ullstein Januar 2010) geborgt. Aber das ist okay.

 

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Di

19

Jan

2010

"Die Lebern der Anderen" ist erschienen

In diesen Tagen ist mein Buch "Die Lebern der Anderen" bei Ullstein erschienen und kann im Buchhandel, bei Amazon oder mir persönlich erworben werden.

 

Es handelt sich um einen auch für mich undurchsichtigen Mix aus Beobachtungen, Erfahrungen und Halluzinationen, die sich im Laufe der letzten vier Jahre zu einem teils fröhlichen, teils grotesken Kurzgeschichten-Zyklus verdichtet haben.

 

Der Plot lässt sich so zusammenfassen: Ein Bursche vom Land sucht sein Glück ausgerechnet in Berlin und wundert sich: 1-Euro Jobs, Vampire im Hinterhaus und ein Winter, der alles tiefgefriert, was nicht in der Nähe eines Kohleofens steht. Aber der wackere Ich-Erzähler findet auch die große Liebe, das Jessner-Eck und Gott in den Rillen einer Tischplatte.

 

Die Buchpremiere findet am 11.2 zusammen mit dem Liedermacher Jan Koch im Klub der Republik statt. Am 28.1. proben Jan und ich bereits vor Publikum, und zwar im ORI in der Friedelstraße in Neukölln. 

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Di

19

Jan

2010

Neuer Blog für Buchrezensionen

Ein neuer Blog ist online. Darin besprechen Menschen, die leidenschaftlich gerne lesen, belletristische Bücher. Ins Leben gerufen wurde "the common reader" von der Bloggerin Madame Modeste. Zur Zeit schreiben dort "casino", "engl", Isabel Bogdan, "Kaltmamsell", Mek, "Percanta" und ich über Bücher, die begeistern, aufwühlen, nerven, abstoßen, verwirren oder andere Anlässe bieten, Worte über sie zu verlieren.  

 

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Sa

05

Dez

2009

"Götter, Gurus und Gestörte" ist erschienen

Christian Bartel und ich haben ein Buch mit Kurzgeschichten zusammengestellt. Thema: Religion. Das Ergebnis dieses Unterfangens ist diese Woche im Satyr-Verlag erschienen, und wäre ich die Bibel, würde ich sagen: Und der Herr sah alles an und sprach: Nicht schlecht.

Was enthält der prächtige Band im Einzelnen? Dies:

Ahne plaudert mit Gott über das Böse in der Welt.

Anonyma hadert mit missionierenden Atheisten.

Alexander Bach nähert sich auf dem Fahrrad den edlen Wahrheiten Buddhas.

Christian Bartel erklärt die Entstehung des Black Metal und berichtet von türkischen Freidenkern.

Martin Betz findet Gott unter Bauarbeitern.

Nico Czaja schickt einen listigen brasilianischen Waldgeist in die Großstadt.

Eugen Egner orakelt in einer seiner apokryphen Apokalypsen von Dreck und Kuchen.

Horst Evers versucht sich an einem Gottesbeweis.

Christian Gottschalk entwickelt sich vom Christen zum Agnostiker zum Nihilisten zum Hedonisten und wieder zurück.

Uli Hannemann tut im grimmen Winter ein Werk der Nächstenliebe.

Nils Heinrich errichtet der blasphemischen Bärbel ein Denkmal.

Jess Jochimsen erlebt sein ganz privates Pfingstwunder.

Sylvia Jungenkrüger erlebt einen fröhlichen Ramadan in Kuala Lumpur.

Florian Kalff würdigt jesuitische Erzieher und preist der Eifel herbe Weiten.

Francis Kirps lässt Odins Ross Sleipnir über alle acht Beine stolpern.

Peter Köhler bittet indische Gurus zum Tanz.

Thomas Lienenlüke entwickelt Patchwork-Religiosität konsequenten zur marktfähigen Geschäftsidee weiter.

Sheila Mysorekar und Philipp Schäfer unterziehen größere und kleinere Religionen einem "Stiftung Warentest".

Anselm Neft erleidet den Fluch der Hammelhexe.

Talita Oliveira unterhält sich mit Allah über den Kauf von Unterhosen.

Jakob Reil ruft die Weltglaubensmeisterschaften aus.

Jochen Reinecke bastelt Gott.

Lea Streisand sucht spirituelle Vorbilder, erlebt aber nur den Fall der Mauer.

Volker Surmann ringt in der ostwestfälischen Provinz mit Gott, dem Tod und einem Hund.

Sabine Trinkaus gewährt intime Einblicke in den Himmel.

Ella Carina Werner lehrt uns das richtige Beten.

Franziska Wilhelm zelebriert mit schwererziehbaren Jugendlichen Krippenspiele im ostdeutschen Örtchen Stotternheim.

Lino Wirag präsentiert die barocken Derbheiten des heiligen Anselmus.

 

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